Für die Medien bietet Hyalomma eine Geschichte, die Aufmerksamkeit erregt.
Schnell kann man Angst bekommen, wenn man mehr über die neue Zeckenart erfährt:
- Bis zu 5 Mal so groß wie herkömmliche Zecken.
- Sie läuft „schnell“ auf ihre Opfer zu.
- Verfolgt Wirtstiere über Strecken von bis zu 100 Metern.
- Überträgt gefährliche Krankheiten, die tödlich enden können.
- Beginnt sich in Deutschland auszubreiten.
All diese Fakten zusammen genommen, taugen für ein Horror-Märchen.
Doch Experten raten zur Ruhe: Panik ist nicht angebracht!
Wer Hyalomma ist und warum man sich kaum bis keine Sorgen machen muss:
Näheres erfährt man in diesem Artikel.
Inhaltsverzeichnis
Wer ist die Super-Zecke »Hyalomma«?
Genaugenommen ist Hyalomma gar keine Zeckenart, sondern eine Zeckenfamilie mit verschiedenen Arten.
In Deutschland hat man bisher die Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes gefunden.
Beide Arten lassen sich nur vom Fachmann unterscheiden!
Im Unterschied zu den üblichen Vertretern (Holzbock und Auwaldzecke) sind Hyalomma-Zecken deutlich größer. Mit den Beinen können sie bis zu 2 cm umspannen.
Die Körperlänge beträgt bei ausgewachsenen Tieren 5 bis 6 Millimeter.
Deutliches Erkennungsmerkmal sind die gestreiften, geringelten Beine.

Außerdem bewegen sich die Tiere deutlich schneller als herkömmliche Arten. Denn sie zählen zu den sogenannten Jagdzecken.
Anders als Holzbock und Auwaldzecke warten sie nicht im hohen Gras auf Wirtstiere, sondern laufen auf sie zu, wenn sie sie entdecken.
Das liegt daran, dass Hyalomma aus Gegenden in Vorderasien stammen, die relativ arm an Wirtstieren sind.
Ein weiterer Unterschied zu heimischen Zecken ist, dass sie besser mit Trockenheit zurechtkommen.
Zudem zählen sie zu den Zwei-Wirt-Zecken – der Holzbock hingegen ist eine Drei-Wirt-Zecke.
Durch die Ausbreitung in Gebieten mit wenig Wirtstieren häutet sich die Hyalomma-Larve auf ihrem Wirt und befällt ihn dann als Nymphe ein zweites Mal.
Dadurch verbleiben diese Zecken bis zu vier Wochen auf einem Wirtstier und können so auf Zugvögeln große Strecken zurücklegen.
Eine weitere Besonderheit der Hyalomma-Arten ist, dass sie offenbar auch sehen können.
Auf Altgriechisch ist „Hyalos“ das Glas und „Omma“ das Auge. Hyalomma bedeutet also »Glasauge«.
Mit ihren Augen können sie nachweislich auch optische Reize wahrnehmen, was andere Zecken weniger gut bis gar nicht können.
Zudem reagieren sie auch auf mechanische und chemische Stimuli.
Video: Hyalomma in Aktion: Sie bewegt sich wie eine Spinne.
Typische Wirtstiere
Die Larven und Nymphen befallen hauptsächlich kleine Säugetiere und Vögel.
Beliebt sind Nagetiere, Insektenfresser und insbesondere Hasen.
Die ausgewachsenen Zecken suchen sich dann größere Wirte, primär Huftiere, worunter auch viele Nutztiere fallen.
Menschen können auch von Hyalomma Arten befallen werden, zählen allerdings zu ihren Fehlwirten.
Wirtstiere sind zum Beispiel:
- Pferde
- Schafe
- Rinder
- Hunde
- Hirsche
- Ziegen
- Rehe
- Wildschweine
- Ziegen.

Herkunft und Verbreitungsgebiete
Wie bereits erwähnt stammen die Hyalomma Arten, die man in Deutschland entdeckt hat, ursprünglich aus Vorderasien.
Von dort aus haben sie sich auch in der Türkei und im Mittelmeerraum ausgebreitet.
Unter anderen findet man sie in folgenden Ländern:
- Albanien
- Bosnien
- Bulgarien
- Frankreich (selten im Süden und Korsika)
- Griechenland
- Iran
- Italien
- Kroatien
- Mazedonien
- Moldawien
- Portugal
- Rumänien
- Russland
- Schweiz
- Serbien
- Spanien
- Türkei
- Ukraine.
Obwohl manchmal in den Medien von der »Tropen-Zecke« die Rede ist, kommen diese Hyalomma-Arten in den Tropen nicht vor.
Normalerweise findet man sie nicht in Gebieten über 46 Grad nördlicher Breite; doch vereinzelt trifft man sie auch weiter im Norden an.
Ob sie sich weiter nördlich etablieren kann, ist bisher nicht geklärt und wird wissenschaftlich untersucht.

Ausbreitung nordwärts
Schon seit vielen Jahren finden sich sporadisch Hyalomma auf Zugvögeln.
Doch vereinzelt wurden auch Exemplare auf Pferden entdeckt. Das erste Mal wurde dies in den Jahren 2005 und 2006 dokumentiert.
Nach Einzelfunden auch in den Jahren 2015 und 2017, kam es dann 2018 zu mehreren Funden an unterschiedlichen Orten.
In Niedersachsen und Hessen wurden insgesamt vier Exemplare der Hyalomma Marginatum und eine Hyalomma Rufipes auf Pferden entdeckt.
Auch Viehtransporte könnten bei der Verbreitung eine Rolle spielen.
Dass die Tiere von Menschen aus dem Urlaub mitgebracht wurden, ist zwar möglich, doch eher unwahrscheinlich.
Und dass 2018 deutlich mehr Funde bekannt geworden sind, kann an dem heißen Sommer gelegen haben.
Andererseits ist es auch möglich, dass sich bereits kleine Populationen stellenweise angesiedelt haben.
Auch dies ist Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung.

Welche Krankheiten überträgt Hyalomma?
Wie andere Zecken können Hyalomma-Zecken ebenfalls Viren und Bakterien auf die Wirtstiere übertragen.
Für den Menschen gefährlich sind Rickettsia-Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen können.
Dabei bekommen Betroffene nicht nur Fieber, sondern auch Flecken auf der Haut.
Stellt man dies fest, sollte man sofort ärztlichen Rat einholen.
Doch keine Panik: Fleckfieber lässt sich gut mittels Antibiotika behandeln.
Anders verhält es sich mit Viren, die von den Zecken übertragen werden. Diese Viren können nämlich das Krim-Kongo-Fieber auslösen.
Auch hier zeigen sich neben Fieber Flecken auf der Haut, die durch innere Blutungen entstehen.
Obwohl sich in den meisten Fällen milde Verläufe zeigen, kann das Krim-Kongo-Fieber auch tödlich enden.
Zudem können Hyalomma vermutlich auch das Alkhurma-Virus übertragen, das dann ein Hämorrhagisches Fieber auslösen kann. Eine sehr seltene Erkrankung, die auch tödlich enden kann.
In den 2018 gefundenen Hyalomma konnten keine tödlichen Viren nachgewiesen werden.
Jedoch konnte man in einer der Zecken Rickettsia-Bakterien finden.
Schließlich können die Zecken auch Krankheiten auf Nutztiere übertragen.
Dazu zählt etwa Q-Fieber, an dem Schafe und Rinder erkranken können und an denen können sich dann sogar letztlich auch Menschen anstecken.
Dennoch besteht absolut kein Grund zu Panik.
Erstens sind die Zecken extrem selten und selbst wenn man eine trifft, bedeutet das noch nicht, dass sie auch tödliche Viren in sich trägt.
Auch FSME und Borreliose Erreger wurden bisher nicht in Hyalomma-Arten gefunden.
Sie werden vor allem vom Holzbock und von der Auwaldzecke übertragen.
Deshalb: Wenn man in einem Gebiet lebt, in dem viele Zecken vorkommen, dann sollte man sich und seine Tiere gegen Zecken schützen.

Wie kann man sich gegen Zecken schützen?
Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um Zecken abzuwehren.
Wichtig ist es zuallererst, die richtige Kleidung zu tragen. Diese ist am besten weiß, da man darauf Zecken schnell erkennen kann.
Am besten steckt man die Hose in die Socken hinein, sodass die Tiere weniger leicht den Weg zur Haut finden können.
Für Risikogruppen, die sich häufig in Zeckengebieten bewegen, gibt es auch spezielle Zeckenschutzkleidung.
Video: Wie wirken Anti-Zecken Socken? | Galileo Testredaktion
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Die Zugänge zur Haut an Fuß- und Handgelenken kann man zusätzlich mit zeckenabweisenden Mitteln besprühen.
Die meisten hierfür gängigen Mittel wurden allerdings noch nicht ausreichend auf ihre Wirksamkeit gegen Jagdzecken geprüft.
Dazu zählen Icaridin, Pyrethrum oder Margosa-Extrakt.
Icaridin findet man zum Beispiel in Autan oder anderen handelsüblichen Anti-Zeckensprays.
Icaridin ist ähnlich wirksam wie DEET, hat jedoch weniger Nebenwirkungen.
DEET wird vor allem dort eingesetzt, wo man mit tödlichen Tropen-Krankheiten rechnen muss, die in der Regel von Mücken übertragen werden.
Doch DEET hat zum Teil gravierende unerwünschte Nebenwirkungen und kann Herz und Nervensystem schädigen.
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Natürliche Zeckenabwehr
Wenn möglich, sollte man am besten auf natürliche Anti-Zeckenmittel zurückgreifen, solange keine Gefahr besteht, sich mit tödlichen Krankheiten anzustecken.
Denn auch natürliche Mittel haben gute Erfolge gezeigt, wenn es darum geht, Zecken und Mücken abzuwehren.
Dazu zählt zum Beispiel Schwarzkümmelöl, das man innerlich anwenden kann. Es kann mäßig dosiert auch bei Hunden eingesetzt werden.
Katzen hingegen vertragen es nicht und dürfen kein Schwarzkümmelöl bekommen.
Für Katzen bietet sich zum Beispiel eine Kombination aus Kokosöl und Bierhefe an.
Bierhefe ist gesund und kann ins Futter gemischt werden. Sie wird von den meisten Katzen gut angenommen. Auch für Pferde ist es geeignet.
Kokosöl wird auf dem Fell einmassiert und die Katze abgelenkt bis es einziehen kann, damit sie es nicht gleich wieder ableckt.
Schließlich kann man auch die Abwehrkraft von Geraniol nutzen, einem Stoff der in vielen ätherischen Ölen vorkommt, zum Beispiel in Palmarosaöl oder Rosengeranienöl.
Ebenfalls ein natürliches Repellent gegen Zecken findet man in dem Öl des australischen Zitroneneukalyptus.
Ätherische Öle sollte man jedoch mit Vorsicht verwenden!
Denn auch wenn es sich dabei um natürliche Stoffe handelt, können sie unerwünschte Nebenwirkungen haben, wenn man sie falsch anwendet.
Außerdem riechen sie ziemlich stark, weshalb sich viele nicht für den Einsatz zum Schutz von Haus- und Nutztieren eignen.
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Für Katzenliebhaber hier eine Übersicht über: Biologische Mittel gegen Zecken bei Katzen.
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Achtsamer Konsum: Bitte kaufen Sie nur, was Sie oder Ihre Tiere wirklich brauchen.
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Sehr gute Seite und gute Informationen zum Thema Jagdzecke. Mann kann sich gut informieren und kann nachlesen was für mittel helfen.