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Kokosöl gegen Zecken Zeckenabwehr

Kokosöl gegen Zecken im Test | Wie wirksam ist Kokosöl wirklich?

Kokosöl wird angepriesen als 100% natürlicher Zeckenschutz.

Zudem soll es gesund sein und nicht nur gegen Zecken, sondern auch gegen Mücken helfen.

Doch was ist wirklich dran an der Abwehrkraft von Kokosöl?

Erste Testergebnisse machen skeptisch.

Kokosnuss halbiert
Kokosöl befindet sich im Fruchtfleisch der Kokosnuss.

Was ist Kokosöl?

Kokosöl benutzt man zum Beispiel in der Küche zum Kochen, Backen und Fritieren.

Weitere Bezeichnungen sind auch: Kokosfett, Kokosbutter oder Kokosnussöl.

Man gewinnt Kokosöl aus „Kopra“ – dem weißen Fruchtfleisch der Nüsse.

Es besteht zu 90 % aus gesättigten Fettsäuren und einige dieser Säuren sollen Insekten abwehren:

  • Caprylsäure
  • Caprinsäure
  • Laurinsäure

Caprylsäure ist ein natürliches Insektizid, das den Chitinpanzer von Insekten auflösen soll.

Sie ist in geringen Mengen (5 bis 9 %) im Kokosöl enthalten.

Mit einem Anteil von rund 10 % ist Caprinsäure eine weitere Fettsäure im Kokosöl. Sie soll gegen Pilze, Viren und Bakterienbefall wirken.

Der jedoch wirksamste Teil im Kokosöl soll Laurinsäure sein, aus der es zu 50 bis 60 % besteht.

Sie wird meist angeführt, um die Wirksamkeit von Kokosöl gegen Zecken zu erklären.

Laurinsäure ist auch in Muttermilch und Kuhmilch enthalten – in normaler Butter stecken ebenfalls rund 5 %.

Sie hat eine antimikrobielle Wirkung, das heißt sie kann Bakterien, Pilze und Viren abtöten.

Dass Laurinsäure und Kokosöl gegen Zecken helfen sollen, haben angeblich wissenschaftliche Studien gezeigt.

Kokosöl gegen Zecken Kokosnussöl
Es wäre zu schön, wenn Kokosöl gegen Zecken wirken würde.

Studien zum Thema Kokosöl und Zecken

In diesem Abschnitt geht es ins Detail; bei Bedarf einfach überspringen und hier klicken, um direkt weiter zum Test zu gelangen.

Studie von 1999

Die erste Studie, die Hinweise darauf liefern soll, dass man sich mit Kokosöl gegen Zecken schützen kann stammt von 1999.

Hilker, Kahl und Dautel von der Freien Universität Berlin haben damals Methoden untersucht, wie man insektenabwehrende Mittel testen kann.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse unter dem Titel: „A novel test system for the detection of tick repellents.“ (Ein neues Testsystem zur Ermittlung von zeckenabweisenden Mitteln).

Obwohl die Studie oft zitiert wird, um die Wirksamkeit von Kokosöl zu belegen, findet sich zumindest in der Zusammenfassung kein Hinweis darauf, dass Kokosöl überhaupt getestet wurde.

Dort finden sich nur die Anmerkungen, dass die Mittel DEET und Myrtenal getestet wurden.

Das Laurinsäure getestet wurde zeigt sich jedoch daran, dass die Autoren der Studie 1999 auch ein Patent auf die Verwendung von Laurinsäure (Dodecansäure) als Zeckenrepellent angemeldet haben (Patentschrift DE 199 25 838 C 1).

Zecke Holzbock Kokosöl Zeckenabwehr
Wie wirksam ist Kokosöl gegen Zecken?

Studie von 2008

2008 kommt dann noch eine zweite Studie hinzu, an der wieder Herr Dautel beteiligt ist, diesmal in Zusammenarbeit mit den Herren Jung und Schwantes – zwei Mitarbeiter des Arzneimittelherstellers Dr.-Pfleger.

Hans Dautel hatte derweil „Insectservices“ gegründet. Das Unternehmen entstand 2001 aus der „Arbeitsgemeinschaft Zoologie/Ökologie der Tiere der Freien Universität (FU) Berlin“ und ist seit 2004 eine GmbH.

In der Studie von 2008 geht es nun ausschließlich um die Wirkung von Laurinsäure (Dodecansäure) auf Zecken.

In Versuchen werden verschiedene Lösungen mit jeweils 10 % Laurinsäure getestet und mit Kokosöl verglichen.

Die Ergebnisse dieser Studie sind anscheinend vielversprechend.

Die 10%igen Lösungen sollen angeblich Zecken mit hohen Wahrscheinlichkeiten abwehren: 75 bis 88 % der adulten Zecken und 63 bis 83 % der Nymphen.

Doch diese Studie hat einen faden Beigeschmack.

Denn „Dr. Pfleger“ – der Arbeitgeber der beiden Mitautoren Jung und Schwantes – verkaufte zu dem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren „ContraZeck®“ – ein Mittel, bei dem Laurinsäure als Wirkstoff angegeben wurde.

In der Zusammenfassung der Studie von 2008 findet sich folgender Satz:

„Wie haben herausgefunden, dass die 10 % Laurinsäure-Lösung (ContraZeck®) ein leicht anzuwendendes und sehr effektives natürliches Abwehrmittel ist gegen Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock).“

Kokosnuss Affe Skulptur
Es wäre hilfreich, die Studie von 2008 noch einmal nachzuprüfen.

Die ganze Studie schien darauf angelegt, die Wirksamkeit von ContraZeck® zu belegen und damit den Verkauf zu fördern.

Daran hatten alle Autoren ein Interesse – als Patentinhaber bzw. als Hersteller des Mittels.

Ein Interessenskonflikt ist offensichtlich und von freier Wissenschaft kann hier nicht die Rede sein.

Allerdings hatten die Autoren um Dr. Dautel und Dr. Pfleger Pech.

Denn ebenfalls 2008 testete die Stiftung Warentest verschiedene Mittel gegen Zecken – darunter auch ContraZeck®.

Dabei fiel das Mittel anders als in der Studie komplett durch und erhielt die Note 5,0 „mangelhaft“.

Seither gibt es ContraZeck® nicht mehr zu kaufen.

Kokosöl im Test gegen Zecken
Ich habe Kokosöl getestet.

Kokosöl gegen Zecken im Test

Um die Wirksamkeit von Kokosöl gegen Zecken zu prüfen, habe ich einen einfachen Versuch durchgeführt.

Dazu habe ich Kokosöl auf ein Stück Küchenrolle geträufelt und dann eine Untertasse darauf gesetzt, auf der sich 30 Zecken befanden – 28 Nymphen und zwei adulte Zecken.

Die Zecken hatte ich vorher im Wald eingefangen.

Was dann passierte sieht man im folgenden Zeitraffer-Video.


Video: Kokosöl im Test


Nach weniger als 30 Minuten hatten über 50 % der Zecken die Untertasse verlassen und sich über das Kokosöl hinweg bewegt.

Zwar kann man erkennen, dass einige Zecken im Kreis wandern und offenbar durch das Kokosöl abgeschreckt werden, doch verglichen mit anderen Mitteln ist das Ergebnis ernüchternd.

Denn Schwarzkümmelöl und alle ätherischen Öle, die ich getestet habe, haben deutlich besser abgeschnitten.

Da bereits nach einer halben Stunde derart viele Zecken von der Untertasse verschwunden waren, habe ich mit Kokosöl keinen Langzeitversuch durchgeführt.

Es erschien keinen Sinn zu machen, die Wirkdauer genauer zu überprüfen.

Angaben zur Wirkungsdauer von sechs bis acht Stunden – die ich gelesen hatte – waren offenbar frei erfunden.

Mehr Infos zu den Versuchen, die ich durchgeführt habe, hier.

Kokosöl seber machen
Bei Temperaturen unter 23 Grad ist Kokosöl fest.

Anwendung von Kokosöl

Auch wenn Kokosöl nur schlecht gegen Zecken zu wirken scheint, kann es dennoch Sinn machen, es anzuwenden.

Denn zumindest eine geringe abweisende Wirkung scheint vorzuliegen.

Allgemein ist Kokosöl einfach anzuwenden und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Ab einer Temperatur von rund 23° Celsius schmilzt es.

Daher reibt man Kokosöl, wenn es noch fest ist, zwischen den Händen bis es flüssig wird.

Dann verteilt man es auf den zu schützenden Stellen.

Bei Kindern und Erwachsenen

Dabei verwendet man Kokosöl wie ein Körperöl und massiert es sanft in die Haut ein.

Man schützt vor allem die Zugangszonen für Zecken – also Füße, Knöchel, Unterschenkel und Handgelenke.

Da die Wirkungsdauer gering ist, empfiehlt es sich, mehrmals am Tag nachzucremen.

Dabei soll man jedoch nur dünn auftragen, weil das Öl sonst nicht ganz einzieht und nachfettet.

Hund Kokosöl gegen Zecken
Für Hunde wird Kokosöl als natürliches Mittel gegen Zecken empfohlen.

Beim Hund

Beim Hund streicht man es verteilt über den ganzen Körper ins Fell und in die Haut.

Nach der Anwendung ist der Hund dann zwar fettig, was sich mit der Zeit jedoch geben soll, wenn das Öl beginnt einzuziehen.

An mancher Stelle findet sich der Rat, dass man für zwei bis drei Wochen täglich eincremen soll.

Danach soll der Schutz länger wirken, sodass man nur noch alle paar Tage und dann sogar nur noch einige Male pro Monat nachcremen muss.

Diese Angaben sind allerdings äußert fraglich, da wie der Versuch gezeigt hat, die Wirksamkeit von Kokosöl generell skeptisch betrachtet werden muss.

Vielleicht lässt sich damit ein Zeckenbefall etwas minimieren, doch allein auf Kokosöl zu vertrauen, halte ich für fahrlässig.

Hund und Katze Kokosöl
Katzen mögen selten Kokosöl.

Bei Katzen

Katzen mögen es normalerweise nicht, wenn man ihnen etwas ins Fell streicht.

Das ist auch bei Kokosöl der Fall. Daher wird empfohlen, sie nach dem Eincremen abzulenken, zum Beispiel indem man mit ihnen spielt oder sie füttert.

Dann hat das Öl etwas Zeit, um einzuziehen und wird nicht gleich abgeleckt.

Für Katzen soll schon eine kleine Menge von der Größe einer Erbse ausreichen und es wird berichtet, dass eine Anwendung alle zwei Tage genüge. Auch diesen Angaben sollten man skeptisch gegenüber sein.

Zudem sollte man seine Katze genau beobachten und wenn die Anwendung zu unverhältnismäßigem Putzen und Stress führt, besser darauf verzichten.

Stresst man die Katze durch das Kokosöl, ist das vielleicht sogar gesundheitsschädlicher als hin und wieder eine Zecke.

Pferd Kokosöl
Auch bei Pferden ist Kokosöl gut für die Haut.

Beim Pferd

Auch für Pferde wird Kokosöl empfohlen. Es soll dort nicht nur gegen Zecken helfen, sondern auch Kreibelfliegen und Milben abwehren.

Zur Abwehr gegen Zecken sollte man vor allem die Läufe, Schweifrübe und den Bauch eincremen.

Da das Öl das Fell schmierig macht, sollte die Sattellage nicht eingeölt werden.

Auch die Anwendung bei Pferden ist kritisch zu betrachten.

Doch Kokosöl soll bei Pferden auch gegen Hautreizungen/Sommerekzeme helfen, sowie den Juckreiz bei leichten Hautverletzungen lindern.

Daher kann es durchaus sinnvoll sein, Kokosöl für Pferde zu verwenden.

Vorteile dieses Mittels im Kampf gegen ZeckenVorteile

Da Kokosöl in der Küche und in vielen Seifen und Schampoos verwendet wird, kann man davon ausgehen, dass es weder giftig noch in sonstiger Weise gefährlich für die Gesundheit ist.

Daher eignet es sich auch zur Anwendung bei Kindern, Schwangeren, Stillenden und Allergikern.

Ebenfalls bei Haustieren kann man es ohne gesundheitliche Bedenken nutzen.

Zudem ist es relativ günstig und soll die Hautgesundheit verbessern.

Da das Öl bei unter 23 Grad fest wird eignet es sich auch, um daraus einen Hautpflege-Balsam herzustellen.

Auf diese Weise kann man Kokosöl mit gegen Zecken wirksamen Ölen aufwerten, zum Beispiel mit Schwarzkümmelöl, Palmarosaöl oder Zitroneneukalyptusöl.

Nachteile Mittel gegen ZeckenNachteile

Ein große Nachteil ist die mangelnde Wirkung gegen Zecken.

Entgegen allgemeiner Meinung hat Kokosöl im Test nicht überzeugen können.

Die Studie von 2008, die angeblich eine Wirksamkeit nachgewiesen hat, war offensichtlich nicht frei von Interessenskonflikten.

Auch die Stiftung Warentest hat ein Produkt auf der Basis von Laurinsäure als mangelhaft bewertet.

Da Zecken gefährliche Krankheiten übertragen können, wäre es daher leichtsinnig, sich auf den Schutz von Kokosöl/Laurinsäure zu verlassen.

FazitFazit

Wer wirklich sicher gehen möchte, darf nicht allein auf Kokosöl vertrauen.

Weniger als 50 % der Zecken ließen sich im Versuch davon abschrecken.

Es gibt andere Mittel – auch auf natürlicher Basis, die deutlich besser wirken.

Dennoch kann man die leicht abschreckende Wirkung nutzen.

Denn Kokosöl eignet sich dazu einen Anti-Zecken-Balsam herzustellen, den man mit zusätzlichen natürlichen Ölen anreichert.

Kokosnuss Kokosöl
Vorsicht: Kokosöl kann mit Mineralöl belastet sein!

Produkte

Wenn man Kokosöl kauft, sollte man darauf achten, dass es mit einem zertifizierten Bio-Siegel versehen ist.

Sonst kann es sein, dass sich im Öl Pestizidrückstände befinden.

Doch leider kann man trotzdem nicht sicher sein, dass Kokosöle frei von Schadstoffen sind.

Denn Ökotest hat verschiedene Produkte getestet – mit erschreckenden Ergebnissen.

Dabei fanden sich im Kokosöl neben Mineralöl (bei Produkten von Rewe, Penny, Bio-Palente, Bio Zentrale) auch Weichmacher (bei Veganz).

Sehr gut abgeschnitten haben bei Ökotest die Kokosöle von „Dr. Georg“ und „Rapunzel“. Hierin fanden sich keine Schadstoffbelastungen – weder im Öl noch in der Verpackung.

Daher empfehle ich, diese Produkte zu verwenden und von Discounter-Ware Abstand zu nehmen.


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Lagerung & Haltbarkeit

Kokosöl sollte man lichtgeschützt, gut verschlossen und bei Zimmertemperatur aufbewahren.

Auf keinen Fall stellt man es in den Kühlschrank, da sich dort Kondenswasser im Glas bilden kann und darin können sich Bakterien ansiedeln.

Durch die antimikrobielle Wirkung der enthaltenen Fettsäuren ist reines Kokosöl auch bei Zimmertemperatur lange haltbar.

Natives Kokosöl hält sich daher auch nach dem Öffnen noch einige Jahre, wenn es nicht verunreinigt wird.

Kokosnuss Kokosfett
Lange galt die Verwendung von Kokosöl in der Küche als gesund, doch auch das stellen Studie jetzt in Frage.

Ist die innere Anwendung gesund?

Da sich Kokosöl sehr hoch erhitzen lässt, wird es oft zum Fritieren und beim Braten benutzt.

Obwohl man lange davon ausgegangen ist, dass das Öl auch gesund sei, deuten neue Untersuchungen darauf hin, dass es den LDL Cholesterin-Wert erhöht.

Das wiederum wird in Zusammenhang mit Herz-Kreislauferkrankungen gebracht.

Ob sich diese Studien langfristig bewahrheiten, muss beobachtet werden.

Jedoch sollte man die innerliche Einnahme von Kokosöl nicht übertreiben.

Das gilt auch für die Anwendung bei Haustieren.

Quellen & weiterführende Literatur


Literatur Quellen
Die Studienlage ist dünn.

1999 A novel test system for detection of tick repellents. (Dautel, Kahl, Siems, Oppenrieder, Müller‐Kuhrt, Hilker)

Dies ist die erste Studie, die manchmal angeführt wird, als angeblicher Nachweis für Wirksamkeit von Kokosöl gegen Zecken. Es ist jedoch zweifelhaft, dass das hier überhaupt getestet wurde. Leider ist das Papier nicht frei verfügbar.


2008 Prevention of infectious tick-borne diseases in humans: Comparative studies of the repellency of different dodecanoic acid-formulations against Ixodes ricinus ticks (Acari: Ixodidae). (Schwantes, Dautel, Jung)

Dies ist die Studie, die angeblich die Wirksamkeit von Laurinsäure und ContraZeck nachweist.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2362118/pdf/1756-3305-1-8.pdf


Hier die neue Studie über die Auswirkungen von Kokosöl auf den Cholesterinspiegel:

https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/CIR.0000000000000510


Der Vergleich von Kokosnuss-Produkten durch Öko-Test:

https://www.oekotest.de/essen-trinken/22-Kokosprodukte-im-Test_110247_1.html


Ergebnisse der Stiftung Warentest Studie von 2008:

http://www.manager-magazin.de/lifestyle/gesundheit/a-553717.html


Stand: 30. Juli 2018


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